Archiv der Kategorie: Nachrichten aus der Provinz

Besinnung…

… so ein Titel der legendären Gruppe RENFT – zu finden auf ihrer LP von 1974. Besinnung – etwas, woran ich des Öfteren denken muss, zunehmend in den letzten Jahren. Vielleicht einfach aufgrund des Alters, der Erfahrungen, der vielen vergeblichen Versuche etwas zu ändern, oder auch der vielen erfolgreichen.

Persönliche Veränderung, wenn sie für mich bedeutsam und nachhaltig war, wenn sie kein Resultat meiner passiven Rolle als Objekt der Umstände, sondern meiner Rolle als Subjekt war, war immer etwas zäh Errungenes, mit Geduld und Bedacht, Ausdauer und einer gewissen Sturheit. Und immer gepaart mit Selbstbewusstsein in seinem eigentlichen Wortsinn, also sich seiner selbst bewusst sein. Sich – und das hat immer nur funktioniert in einem Akt der Besinnung – in Beziehung zu seiner Umwelt zu betrachten, seine Stellung im Gefüge zu rekapitulieren und sich seiner Wünsche, Werte, Bedürfnisse, Träume, heimlicher Begierden, der dunklen Triebe und der reinen Süchte zu erinnern, das alles irgendwie an die Oberfläche zu holen und wenigsten kurzzeitig klar zu sehen. Klappt manchmal. Dann weißt Du plötzlich genau was zu tun ist, um die eine große Sache zu ändern, die in dem Moment das Allerwichtigste für Dich ist.

So schon einige Male geschehen. Das Ergebnis von Besinnung. Eine Technik, wenn man so will, die ich nur empfehlen kann. Besinnt Euch – wenigstens ab und zu!

18.07.2018 – Danke, Erardo

Heute hätte mein 2 Jahre älterer Bruder Bert Geburtstag. Er ist tot. Mein anderer Bruder Fred starb vor 17 Jahren – an Krebs.  Übermorgen hat seine Frau, meine Schwägerin Geburtstag – sie hat Krebs im Endstadium. Der Sensenmann ist unerbittlich.

Gestern ist Erardo gestorben. Ich hatte nicht sehr oft mit ihm zu tun, aber jede Begegnung und jede gemeinsame Unternehmung war etwas Besonderes.

Wir haben uns trefflich über die Niederungen der Kommunalpolitik, über unsere Plattensammlungen, über Musik unterhalten. Ein Mann, der trotz seines gesellschaftlichen Ranges so herzenswarm und menschlich war. Das gemeinsame Musikauflegen im Fonte vor 10 Jahren war ein großer Spaß, die Auswahl als Musiker für ein Familienfest eine große Ehre. Als ich auf einem Trödelmarkt eine Schallplatte von Degenhard erstanden habe, die ich ihm zum Geburtstag schenkte, habe ich mich ein halbes Jahr lang darauf gefreut. Danke, lieber Erardo, dass ich Dich kennen durfte. In meiner nächsten Radiosendung wird es einen Erinnerungssong für Dich geben.

F.Gerstmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

50 Jahre Yellow Submarine

… ein willkommenes Jubiläum, den schon lange schlummernden Schreibwunsch endlich zu verwirklichen. Erfahren habe ich davon im Kulturradio vom rbb, das ich in letzter Zeit häufiger im Auto höre, weil mir das Programm der meisten Sender zunehmend auf den Wecker geht. Penentrante Werbung, belangloser Pop, der noch schlimmer wird, wenn man die schlechten Texte auch noch versteht, blöde Witze. Und wenn ein schöner Oldie läuft, kannst Du schon auf den nächsten deutschen Schlager wetten, eine phonetische Umweltverschmutzung der besonderen Art.

Yellow Submarine also, am 17. Juli 1968 fand die Premiere in London statt. Dass ich den Film, den es auch in einer deutschen Fassung gibt, mit seinen surrealen Elementen und skurrilen Figuren, in der die bösen Blue Meanies in die friedliche Welt des unter dem Ozean liegenden Pepperland eindringen, die von den Beatles in ihrem gelben U-Boot mit ihrer Botschaft von Love, Love, Love vertrieben werden, noch nicht im Ganzen gesehen habe, ist ja wohl ein Versäumnis. Die Platte habe ich natürlich, das zehntes Album der Beatles, nun werde ich mir auf alle Fälle den Film besorgen.

Angesichts der unglaublichen trivialen, banalen Masse, mit der die Unterhaltungsindustrie uns überschüttet, ist eine Besinnung auf besondere Platten, Filme oder welche Kunstform auch immer sicher ein Beitrag zu Entschleunigung, Konzentration auf Wesentliches und so etwas wie ein kleines persönliches Genuss- und Achtsamkeitstraining. Wie wichtig so was ist, weiß ich unter anderem aus beruflicher Erfahrung.

Also werde ich jetzt sofort schauen, woher ich die deutsche Filmversion bekomme und sie genießen. Ich freu mich drauf.

 

Mensch wie die Zeit vergeht…

20160620_141325… ist ein Titel der Gruppe WIR, der seinerzeit nur als Single erschien und mich zur nächsten Beatkiste – Mein Gott, schon die Nummer 37 (!) inspiriert, denn da soll`s um Erinnerungen an vergangene Zeiten, die Kindheit usw… gehen.  Und wir sind  auch schon wieder im Abgesang diesen Jahres, das wieder einmal Ruck-Zuck vorbeigeht, so schnell kannst Du es gar nicht fassen.  Mein letzter Eintrag in diese „Nachrichten aus der Provinz“  ist schon wieder Monate her, mir ist als wär es gestern gewesen. Soviel zur Relativität der Zeit. Übermorgen ist der letzte Tag für das Fonte-Team, mit dem ich 13 Jahre lang viele Veranstaltungen gemacht habe – vor allem die Rock- und Oldienacht und den Tanztee. Aber – Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei…

In diesem Sinne – Genießt das Leben!

Yes Yes Yes

( 21. Mai 2016)

das war ein Hammer – eines der Flagschiffe des Progressive Rock live im Admiralspalast Berlin zu erleben – Yes. YES 1Sie haben es auch in dieser Besetzung (Steve Howe, Geoff Downes, Jon Davison, Alan White und Billy Sherwood) geschafft, die sehr komplexen Yes-Songs mit Rhythmuswechseln und ineinander verwobenen Melodien druckvoll und expressiv zu performen – einfach toll.

Habe mir sogleich einmal alle Yes-Alben von 1969 bis 1987 besorgt und werde sie in den nächsten Wochen intensiv anhören. Das Konzert hat mich dazu jedenfalls animiert – ich bin gespannt…

Schlafes Bruder…

( Februar 2016)

… beschäftigt mich zusehends. Weggefährten sterben weg wie die Fliegen, vor einigen Wochen ein guter Freund, vor 14 Tagen ein Mitschüler, gerade eben ein ehemaliger Arbeitskollege und mitten in die letzte Internet-Radiosendung, die ich höre, platzt die Meldung von  Reinhard Fißlers Tod, des Sängers der Stern Combo Meissen.  Der schwer erkrankte „Reini“ war auf den Rollstuhl angewiesen, schon seit März 2005 konnte er nicht mehr live auftreten.

Das Kämpfen gegen seine Krankheit hat mich an meinen Bruder erinnert, der schon mit 52 Jahren gestorben ist. Da wäre ich schon 4 Jahre weg vom Fenster…. Ich beginne mich tatsächlich mit dem Gedanken anzufreunden, dass die Restzeit begrenzt ist. Ich habe noch einige Pläne, also werde ich mal an`s Werk gehen. Zuerst einmal etwas Wichtiges, das ich nicht vergessen sollte – Genießen. Vielleicht – in memoriam – das „Weiße Gold“ oder den „Weiten Weg“ von Stern Meissen, sehr gute LP`s, die bleiben werden…

Der Rock`n Roll – Himmel begrüßt David Bowie…

(01. – 02. KW Januar  2016)

…, der sich in bester Gesellschaft befindet. Im Fernsehen beginnt schon der Wahnsinn – auf allen Kanälen David. Naja, er hat es verdient. Besonders gefällt mir dies: Vor über 10 Jahren sagt er in einem Interview, dass man mit dem Alter feststellt, wie wenig wirklich wichtig ist im Leben… und es klingt gar nicht abgedroschen.  So ähnlich klingt`s bei Heinz Rudolf Kunze, wenn er singt „Das Dasein und ich…“. Hm, meine Gedanken gehen seit einiger Zeit in die gleiche Richtung… muss wohl was dran sein. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass der Herbst endgültig angebrochen ist.980744_1392302272_300

Dann ist es so… darauf eine Bowie – Scheibe auf die Ohren und ein Glas Wein. Oder Cognac. Es gibt eben nur wenige wichtige Dinge, die bleiben. Solche Momente zählen dazu.

Das neue Jahr mit guter Musik beginnen…

..das habe ich mir vorgenommen. Und – das wird vielleicht den einen oder anderen überraschen – beileibe nicht nur mit Ostbeat. Denn nur weil ich eine Ostbeat-Radiosendung mache und bekennender Fan vieler Gruppen aus der DDR, Polen, Ungarn und der Tchechoslowakei bin, heißt das nicht, dass ich nur das höre. Das wäre ja… „ätzend“, wie wir früher sagten.  Übertreibungen – dieser Meinung bin ich schon lange – sind immer falsch, sie führen in letzter Konsequenz zu Fanatismus, Fundamentalismus und Extremismus. Und außerdem – wer sich zu sehr in eine Sache hinensteigert, dem geht so vieles anderes verloren, die Welt ist bunt und es gibt so vieles zu entdecken… Neil Young

Meine Plattensammlung ist eine gute Übung dazu, ich habe sie gestern wegen Renovierung des Raumes zeitweise in ein anderes Zimmer verbannen müssen. Was einem da alles in die Hände fällt – wunderbar. Beim Räumen hat der Plattenspieler geglüht – was habe ich aufgelegt?  „Harvest“ von Neil Young, danach „Liebeswalzer“ von Silly, „Draufgänger“ von Heinz-Rudolf Kunze, „Kombination“ von Günther Fischer, „Pamiec“ von SBB und und zu guter Letzt „Wenn das nicht bunt ist. Alles tolle Scheiben –  sie miteinander vergleichen macht keinen Sinn. Mir ging es sehr gut danach – und ich habe mir vorgenommen, endlich eines meiner Projekte

Deep Purple in Rock Draufgänger  SBB3 Silly LiebeswalzerGünther Fischer-Kombination

 

 

zu verwirklichen – 100 meiner wichtigsten Vinyls hier vorzustellen. Freut Euch drauf. In diesem Sinne allen ein gutes neues Jahr! Hört viele unterschiedliche Musik aller möglichen Richtungen, bleibt neugierig und interessiert. Es gibt kaum bessere Toleranzübungen…

Wieder ein Jahr vorbei…

(49. – 53. KW Dezember  2015)

..jedenfalls so gut wie. An den Abständen der Blogeinträge ist Entschleunigung zu merken. Oder Überlastung? Oder Entschleunigung als Gegenmittel zu Überlastung? Ich weiß es nicht genau. Seit 3 Wochen bin ich in einer neuen Tätigkeit, muss mich zurechtfinden und neuen Herausforderungen stellen. Außerdem haben wir den üblichen Weihnachtsstress mit der ewigen Frage nach originellen Geschenken, die vor allem die Freude am Schenken übermittel sollen, die tatsächlich da ist. Und dann noch diese unruhigen Zeiten mit den aktuellen Flüchtlingsdramen, Ungewissheiten, Säbelrasseln und unguten Gefühlen in der Magengegend…

Irgendwie keine runde Sache – dieser Jahreswechsel. Alles in Bewegung, nichts wirklich geklärt… Bleibt mir nur der Blick auf Silvester und der Versuch, die Hoheit zumindest über mein Leben wiederzuerlangen. Aber das ist – glaube ich – nur eine Illusion. „Leben“, soll Bert Brecht mal gesagt haben „heißt die Umstände zu organisieren, denen man unterworfen ist“.  Tja, das wenigstens versuche ich.

Eine unstete Zeit…

(44. – 48. KW November  2015)

… liegt hinter mir und uns und ist sicher noch nicht zu Ende. Eine Flüchtlingsbewegung hält uns in Atem, die historische Ausmaße hat, ich habe den Job gewechselt und werde morgen – an meinem 56. Geburtstag – meinen letzten Arbeitstag im BTZ haben. Über 9 Jahre in der beruflichen Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen – ich habe sehr viel gelernt in dieser Zeit und es hat mir großen Spaß gemacht.

In dieser Zeit ist so viel geschehen, dass ich mich im nächsten Monat sicher einmal zu einem längeren Rückblick hinsetzen werde.

Erst einmal freue ich mich auf meine neue Arbeitsstelle, die mich nun mehr in das SGB XII führen wird, viele regionale Akteure kenne ich schon, viel Neues werde ich kennen lernen. So geht ein bewegtes Jahr, ein aufregender Monat, eine spannende berufliche Tätigkeit und nicht zuletzt auch ein weiteres Lebensjahr zu Ende…